Show

Die „ParkinSong-Revue“ von Thomas Hertel

Die Revue beginnt im absoluten Black mit den eröffnenden Solo-Scratchings des DJ, dazu dann Impulsen der Drums und danach gemeinsam fortsetzend mit live-Samples des Geräuschemachers an seinem Instrument – dem menschlichen Skelett – mit rhythmisierten Schüttelbewegungen des Gerippes. Dazu setzt der Rapper die ersten sich im Dunkeln orientierenden Steps im Schwarzlicht aufs Parkett – der Bewegungsrhythmus seines Skeletts leuchtet wie Morsezeichen. Zu den unsicheren Schritt-Spuren findet er allmählich seine Sprache; er erzählt in Songs – in Slam Poetry, in Raps und im Blues – von seinen Konfrontationen und existenziellen Kämpfen mit Mr. Parkinson, in Introspektionen, Berichten aus seinem Inneren. Mit der wachsenden Gewissheit, Erkenntnis, Diagnose wächst gleichzeitig seine seelische aber auch körperliche Unsicherheit, und umso kräftiger steigt die Funkband mit in den konzertant-dramatischen Ring. Sein neues Alter Ego (Mr. Parkinson) tritt ihm schließlich im zweiten Sänger-Rapper entgegen.

Das szenische Konzert wird immer wieder durch Reha-Sport-Einlagen unterbrochen. Der Einstieg in den Beginn der gymnastischen Übungen erscheint schwierig, anstrengend. Ein Trainingsleiter – er ist Entertainer und Animateur in einer Person – demonstriert und erklärt per Headset die Körperübungen. Diese werden von der Sängerin und Band mit Collagen & Remixes von Elvis-Presley-Songs unterlegt.

Ein Gazevorhang zu beiden Längsseiten der Bühne trennt sie vom Publikum, das auf die Reha-Sportler durch Projektionen schaut:
Stehende und bewegte farbige Cartoon-Körper zeichnen sich in ihrer Vitalität, Leichtigkeit und Eleganz auf den kämpfenden Körpern der Reha-Sportler ab. Die Sportler (Patienten) schminken sich allmählich mit der gymnastischen Körperarbeit unmerklich Clowns-Gesichter, in denen ihre mimischen Anstrengungen wie erheiterndes Lachen erscheinen.

Parallel dazu – in den projizierten Comics – springen sie, tanzen allmählich, bis sie fliegen, ihnen Flügel wachsen, während sie sich auf der Szene als Clowns zum Ende des Abends vor Lachen über ihr Scheitern kugeln. Höhepunkt der Selbstbefreiung ist das Finale: ein Ballett der Gerippe im Schwarzlicht.